Nach meiner kleinen Erkältung habe ich mir eine Wander-Therapie verschrieben. Die erste Tour ging die Nordkaptreppe hinauf. Die großen Schieferstufen gehen halb den Storfjell in Honningsvåg hinauf, der etwas über 300 m liegt. Am Ende geht es über Stock und Stein. Ich merke, dass die Wanderwege in (West-)Deutschland, die ich gewöhnt bin, breit sind und oft asphaltiert. Hier gibt es so etwas nicht.
Unterwegs finde ich auch endlich die kleinste Baumsorte der Welt, die Kraut-Weide, die rot blüht. Dieser Baum wird maximal zehn Zentimeter hoch. Außerdem wachsen natürlich überall die Zwergbirken, die an den Bergrücken meist horizontal oder krautig wachsen.







Auf den Straßen von Finnmark ist indes im Sommer auch eine Menge los: Ein Italiener ist von Sizilien auf einem Hochrad hergefahren (siehe Bild). Außerdem halten sich in der Sommerhitze (hier war es eine Woche lang 20° warm!) die Rentiere bevorzugt auf den Straßen auf. Man sagt, dass diese irgendwie kühler sind, da sie hell asphaltiert sind.
Ja, und Sommerhitze heißt auch, dass wir endlich ein bisschen baden gehen können. Im Fjord sind es sicher nur 7°, in den Seen aber etwas mehr. Egal! Ich gehe als Junge hinein und komme als Mädchen wieder heraus…
*
Eine nächste Exkursion geht nach Kjelvik, welches früher der Hauptort der Insel Magerøya war, auf der ich mich befinde. Das ist ein wirkliches Geisterdorf. Man wird erst einmal vom Friedhof begrüßt, auf dem wir Gräber bis 1941 finden. Einige Leute haben da noch ihre Wochenendhäuser. Die Wanderhütte ist verfallen. Auf wenigen Seiten im Gästebuch Einträge von 1988 bis 2022. Am Strand liegen Walspeck und eine Rückenflosse. Dies war wohl ein Zwergwal, die einzige Art, die hier in Norwegen noch bejagt werden darf.
Gruselig auch die Vorstellung, dass hier auf der vorgelagerten Insel Hexenverbrennungen stattgefunden haben. Acht Todesstrafen wurden hier im 17. Jahrhundert sicher vollzogen, in ganz Finnmark wurden insgesamt 91 Menschen verbrannt. Besonders die Samen waren betroffen, hiervon auch viele Männer, wohl weil sie traditionell die Schamanen stellten.










Aber die Wanderung ist schön, am Abend lässt die Firma Pizza und Bier springen. Da sagen wir nicht nein! Kulinarisch bilde ich mich auch weiter: Ich habe mir das erste Mal Trockenfisch (Bild) gekauft. Es schmeckt gar nicht schlecht, aber stinken tut es zum Himmel! Außerdem habe ich Dorsch im Supermarkt gekauft und mir ein Risotto daraus gemacht. Auch ist hier die Steck- oder Kohlrübe ein übliches Gemüse. Es gibt in Deutschland eine ganze Kulturgeschichte dieser Rübe, die vor allem in Hungerzeiten verzehrt wurde. Ich machte mir ein Ragout zusammen mit „Sommerkohl“ und Würstchen. Auch dieses Experiment ist mir gelungen!
Nur ans Walfleisch habe ich mich eben noch nicht herangetraut. Das gibt es im Supermarkt zu kaufen, genau wie Rentier und besagten Trockenfisch. Übrigens habe ich mal ein T-Shirt von meiner norwegischen Familie geerbt, auf dem stand : „Kill the Whale / I am Norwegian“ – „Tötet die Wale / Ich bin Norweger“. Das hat in Deutschland zu einiger Verwunderung geführt.
Heil Odin etc. pp.
