… War was? – Na ja, ein Sommer (an einem Mittwoch), Lofoten, Herbst und die Polarnacht (s.u.). Aber sonst alles wie immer. Ich wünsche allen eine schöne Weihnachtszeit! Ich habe mich hier am Nordkap eingemottet und liege mit einer Erkältung im Bett, während sturmbedingt die Straßen gesperrt sind und die Touren am laufernden Band ausfallen. Umso besser!

Im Spätsommer (an einem Donnerstag) hatten wir mehrere Sondereinsätze mit Kreuzfahrtschiffen und sind auf die Lofoten und nach Lakselv (Finnmark) gefahren. „Lofotveggen“, also die „Lofoten-Wand“ ragt wirklich eindrucksvoll über dem Meer auf. Es sind 30 Grad im August. Heiße und fettige Touristen. Mmmmh. Der Sommer ging insgesamt so schnell vorbei, dass ich keine scharfen Bilder schießen konnte (s.u.).







Auch Der Herbst war hier weniger entspannend als erwartet. Vielleicht lag das daran, dass er nur zwei Wochen dauerte und die Hälfte davon von einem lästigen Filmfestival belegt war, bei dem ich natürlich aushelfen musste. Besondere Aufmerksamkeit erhielt der lokale Regisseur Knut Erik Jensen (Tipp: „Heftig und begeistert“ von 2001).

Die andere Herbstwoche war bestimmt von einem Einsatz in einem Nachbardorf (drei Stunden entfernt), wo ein Luxusschiff von uns Guides betreut werden sollte. Also die Touristen auf dem Schiff. Aber ihr versteht schon. „Hello. This is the English speaking bus. Well, it is not the bus that speaks English, it is in fact me, as you see….“ (Ich verfluche mein Philosophiestudium!)
Anyway, ich hatte große Angst vor den Luxus-Touristen. Die sich aber im Laufe der Zeit als die coolsten Hunde herausgestellt haben. Eine Touristin erzählte mir, dass manche Menschen aus jenen Kreisen gar auf solchen Schiffen leben, weil es lustig ist (siehe oben/unten) und billiger als ein Altenheim.
Unter anderem besuchten wir das Museum des Stabbursdalen-Naturschutzgebietes. Das ist an einer Landzunge, welche der letzte Ort ist, wo die Zwerggans in der Gegend noch vorbeizieht. Auf die Frage hin, wie denn das ausgestopfte Exemplar dieses seltenen Tieres im Museum dort landete, erzählte die Gästeführerin eine traurige Geschichte:
In der Gegend sei ein passionierter Ornithologe, der es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, die Zwerggans zu beobachten und zu kartieren. Eines Tages fuhr er nach getaner Arbeit über eine Brücke in der Gegend und – zack! flog ihm eines seiner Lieblingstiere in den Kühlergrill. Nun hängt das Tier als Anschauungsobjekt im Museum. Ob der Mann auch ausgestopft wurde, nachdem er sich von besagter Brücke gestürzt hatte, entzieht sich meiner Kenntnis.



Aussterben ist allgemein eine Lieblingsbeschäftigung der Lebewesen hier. Finnmark etwa, unser Regierungsbezirk, ereilt gerade das gleiche Schicksal wie die Zwerggans und den Ornithologen: Sie gehen mit wehenden Fahnen unter. Es ist der einzige Bezirk in Norwegen, der sich definitiv und längerfristig entvölkert.
Ich kleine Zwerggans dagegen habe mich gerade offiziell hier niedergelassen zum Rasten: Seit 10.12.24 bin ich offiziell Einwohner von Honningsvåg, und damit Finnmark, und damit Norwegen, und damit nicht mehr wohnungslos (s.o. Zugvögel usw.). Das nennt man antizyklisch und bewundert es im Nachhinein für seine Tragik in der Geschichtsschreibung.

Aber kommen wir zum Punkt: Es ist Winter. Anfang November waren es noch 25 Grad und ich lag am Strand. Aber am 22. November ging die Sonne unter und kam seitdem nicht mehr hoch. Der Kontrast könnte nicht größer sein – zwischen Alicante (1.) und dem Nordkap (2.). Es ist hier wichtig, nicht den Überblick zu verlieren. Durch die klimatischen Bedingungen dauert hier eine Woche im Sommer (vgl. Mitternachtssonne) 10 Tage. Jedenfalls was die Arbeit betrifft. Im Winter dagegen dauert eine Woche nur noch fünf Minuten. Wenn jetzt also hier zwei Autos gleichzeitig die Straße entlangfahren, dann denkt man schon: Gott, was ein Stress! Ich geh schlafen. – Und schon ist wieder ein Tag vergangen.
Die Dunkelheit ist gar nicht so schlimm. Die Kunst ist es ja, nicht immer hinzugucken, wenn etwas schlecht ist. Und wenn es dunkel ist, sieht man ja nichts. Aber wenn ich morgens das Badezimmerspiegellicht anmache, dann bin ich wirklich schockiert über den Anblick! – Der Winter hat hier also viele Gesichter. „Rasieren! Aufräumen!“ sage ich mir verzweifelt. Und prompt höre ich das Dröhnen des Schneepflugs, der den Schnee von der Straße hobelt – und mir mitten in die Fresse bläst.
Ich akzeptiere den neu gewonnenen, weißen Bart, spanne mein Rentier vor den Schlitten und denke: Ich hasse Weihnachten.

* Dieser Beitrag keine Winterbilder, weil ich Weihnachten nicht mag. Aber auch, weil ich kein Datenkabel finde, um Bilder zu übertragen. Das schwarze Bild dieses Beitrags ist in Wirklichkeit, was meine Kamera aus den Nordlichtern macht. – Anm. d. Red.


Ben,
Wenn ich etwas hasse, dann sind es langweilige blogs, die immer die gleiche kacke von touri-highlights erzählen und nervige weihnachtsmails mit immer dem gleichen Text “..und euch ein frohes Fest mit mega toll vielen Geschenken…blabla” …
Was ein Glück, dass dein Blog weder das eine noch das andere ist 🙂
Herrliche Eindrücke und geile Stories, die zu teilen hast – besonders von den Kreuzfahrtpassagieren, die nicht ins altersheim wollen *LOL*
Greez ans Nordkap!
Jo