Nein, es gibt hier keine Eisbären. Ja, Norwegen betreibt Walfang. Es wird der Zwergwal gejagt, hier in Honningsvåg liegt auch ein Walfangsschiff im Hafen. Angeblich haben sie hier letzte Woche einen Zwergwal erlegt. Norwegen hat eine Quote von ca. 500 Tieren, erlegt jedes Jahr aber weniger als 200 Tiere. Aus Traditionspflege. Der Zwergwal gehört zu den Bartenwalen und wird um die acht Meter lang. Leider habe ich noch keine Wale hier gesehen.

Wanderung zum Geburtstag (s. Bild): Wir laufen am Flughafen entlang und kommen zu einer steinigen Bucht. Dort müssen wir natürlich ins Wasser! Meine zwei Kolleg*innen holen sich blutige Beine. Ich fühle meine Beine bald gar nicht mehr. Das Wasser mag vielleicht 5 ° C haben. Genial aber das Gefühl danach: Die Luft ist wärmer als das Wasser. Auch wenn die vielleicht auch nur 7 ° C hat.
Die Arbeit mit den Touristen und Touren spielt sich ein. Auf der Frühstückstour nach Hammerfest dann das erste Mal Sturm: Irgendjemand hat es scheinbar von der Straße geweht. Oder auf seinen Vorfahrer. Eine lange Autoschlange bildet sich auf der Straße vor Magerøya.
Ich unterhalte mich mit dem Busfahrer. Sein „Gehirn funktioniere so, dass er immer Eindrücke von der Natur“ brauche. Schon seit vierzig Jahren – er hat demnächst Geburtstag – betreibe es „friluftsliv“, also alles, was mit Outdoor zu tun hat. Er schlafe am liebsten im Zelt. Seine Hütte habe er verkauft, das An-einem-Ort-bleiben sei nicht so sein Ding.
Auf den Straßen Wohnwagen über Wohnwagen, viele davon aus Deutschland, aber auch Italiener, Franzosen. Alle suchen die Natur, von der es hier eben ganz schön viel gibt. In Finnmark leben auf der Fläche von der Schweiz oder Niedersachsen 76000 Menschen, also so viele wie in Marburg. dafür gibt es 185000 Rentiere. Man fährt und fährt, und nach drei Stunden ist man dann in einer Stadt wie Hammerfest (s. Bild unten) oder Alta.

Manche Nicht-Einheimische fragen auch, ob die Einwohner hier alle Samen seien. Das ist gar nicht so einfach zu beantworten, da viele relativ durchmischt sind. Hier ein paar Samen, da Schweden, Finnen, Deutsche in der Familie. Also im Grunde wie anderswo auch. Offiziell gibt es 40000 Samen in Norwegen, die seit den 1970er-Jahren rehabilitiert werden, da es der norwegische Staat nicht immer so gut mit ihnen meinte. Empfehlenswert hierzu ist etwa das Museum in Tromsø.
Langsam nehmen auch mein Schlafprobleme ab. Extralaken vor den Fenstern und Melatonin befördern mich jetzt sicher in das Reich der Träume. Jetzt muss ich eindlich nicht mehr Rentiere zählen…