Komische Vögel

Tage vergehen in wilder Aktivität. Nordkap hoch und runter, Berge hoch und runter, Einkaufen und dann plötzlich – Geburtstag. Immer eine gute Gelegenheit, sich zu fragen: Warum bin ich eigentlich hier?

Wie die meisten Zugvögel suche ich jetzt auch im Sommer kühlere Gefilde auf. Während also Mitteleuropa zerschmilzt, genieße ich hier meine 5° Celsius und den Schnee auf den Bergen. Aber Spaß beiseite: Bei der letzten Lebensreform habe ich die europaweite Jobausschreibung gelesen und meinen lange gehegten Plan wahrgemacht und habe mir einen Job als Touristenführer bzw. „Guide“ hier in Honningsvåg gesucht.

Ich mache vor allem Bustouren in vier Sprachen, u.a. eben ans Nordkap, aber auch nach Hammerfest (200 km weit weg) und nun habe ich meine erste Vogelsafari hinter mir. Nebenher bleibt noch Zeit, um die Gegend etwas zu erkunden.

Der Publikumsrenner sind hier natürlich die Papageientaucher, englisch „puffins“ und norwegisch „lundefugler“. Im Nordwesten von Magerøya brüten etwa eine halbe Million Paare! Das Bild stammt aus dem Museum Tromsø.

Diese „Clowns der Lüfte“ sind wirklich sehr süß, besonders wenn sie gerade einen Fischsnack im Schnabel halten (s. Foto oben). Sie gehören zu den Alken, die sich vor allem auf und unter dem Wasser wohlfühlen.

Auch die Dickschnabellumme (s. Foto oben) nistet mit den Papageientauchern zusammen. Sie bilden riesige Kolonien, um sich vor Fressfeinden zu schützen. Von denen gibt es auch einige, da sich Seeadler auf Magerøya nur so tummeln.

Hier im Hintergrund sieht man die Inselgruppe „Gjesværstappan“, wo die größte Vogelkolonie Norwegens zu finden ist.

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Ansonsten versuche ich mich auf der Insel zu orientieren, aber gerade beim Wandern ist das gar nicht so einfach. Bin ich etwa ein Stadtmensch geworden?

Die Supermärkte sind 20 min zu Fuß entfernt und, es gibt ein Café und eine populäre Kneipe. Doch selbst im Café kann man keine Zeitung lesen. „Wir sind hier nicht in Wien!“ sagte mein Kollege dazu nur.

Norwegen ist meines Wissens immer noch ein Zeitungsland, allein hier gibt es zwei Lokalzeitungen, „Sagat“ und „Finnmarksposten“. Zu gerne würde ich wissen, wieso mittlerweile die „Arbeiterpartei“, die momentan an der Regierung ist, so verhasst ist.

Stattdessen mache ich einen Workshop zur nahrhaften Zubereitung von Seetang. Tatsächlich sind alle Seetangsorten essbar, besonders zu empfehlen ist der „Trüffeltang“ aka „Trøffeltare“. Er riecht tatsächlich getrocknet nach Trüffel und wird für viel Geld gehandelt!

Eskapismus? – Warum nicht!

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Von Benjamin

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1 Kommentar

  1. Hey Benni, wie schön von dir zu lesen. Hier in Mainz sind es um die 30 Grad und etwas Kühle wäre sehr nett. Bist du komplett nach Norwegen umgezogen? Grüße von Susi H. ( RFID- Projekt)

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